In Moritzbastei Hausverbot für Thor Steinar
In der Moritzbastei ist das Tragen von Bekleidung der von Rechtsradikalen bevorzugten Marke Thor Steinar ab sofort verboten. "Wir machen von unserem Hausrecht Gebrauch", sagte gestern der Geschäftsführer von Leipzigs größtem Studentenclub, Mario Wolf. "Gäste mit solcher Kleidung werden am Einlass abgewiesen oder wieder raus geschickt." Die Moritzbastei reagiert damit auch auf die seit Monaten andauernde Diskussion um das Geschäft "Tonsberg" in der Richard-Wagner-Straße, welches die Bekleidungsmarke vertreibt. "Wir haben die Debatte um Thor Steinar verfolgt und sind zu dem Schluss gekommen, dass mit diesem Label rechtsextreme Aspekte verbunden sind", erklärte Wolf. "Weil auch manche unserer Gäste solche Klamotten tragen, wollen wir ein deutliches Zeichen setzen." Die Moritzbastei gelte zwar eher als "unpolitisch", so der Geschäftsführer, "aber Rechtsextreme haben hier nichts zu suchen".
Hinsichtlich des Verbleibs des Thor-Steinar-Ladens in Leipzigs City läuft, ähnlich wie in Magdeburg, alles auf einen Rechtsstreit hinaus (die LVZ berichtete). Die Proteste der linksalternativen Szene dauern an: Für heute hat das Aktionsbündnis "Ladenschluss" weitere Aktionen vor dem Laden angekündigt. F. D.
LVZ 24.11.2007
Naziüberfall in Reudnitz am 22. November 07
Am Abend des 22. Novembers griffen Nazis mit Signalraketen ein Wohnhaus in der Holsteinstraße an und skandierten Anti-Antifa-Parolen. Das Haus wurde in der Nacht zuvor mit zwei großen Hakenkreuzen beschmiert.
Rund 40 Personen, zumeist schwarz gekleidet und vermummt, marschierten an diesem Donnerstag gegen 21 Uhr an der gegenüberliegenden Straßenseite auf. Sie begannen sofort, Signalraketen gegen das Haus zu schießen und brüllten "Rotfront verrecke", Nationaler Sozialismus jetzt" und Anti-Antifa-Parolen. Nach wenigen Minuten verschwanden die Vermummten in Kleingruppen in den anliegenden Straßen. Die kurze Zeit später eintreffende Polizei konnte lediglich von einigen wenigen die Personalien aufnehmen. Die Bewohner des Hauses selbst sind überrascht und verängstigt. Nach eigenem Bekunden können sie keinen Anlaß sehen für derartige Drohgebärden der lokalen rechtsextremen Szene.
Bereits in der Nacht zuvor waren am selben Haus zwei großen Hakenkreuze angebracht worden, die den Schriftzug "wieder Deutschland" einrahmten. Es wurde Anzeige gegen Unbekannt gestellt wegen der Verwendung von nationalsozialistischen Zeichen, Sachbeschädigung und Landfriedensbruch. (weiter)
Überfall auf Erasmus-Studentin der HGB am 21. Oktober 07
Am frühen Morgen des 21. Oktober hat es auf eine Frau, die im Rahmen
des Erasmusprogramms an unserer Hochschule studiert, in Reudnitz einen
rassistischen Übergriff gegeben. Zwei Männer beleidigten sie, wurden
dann handgreiflich und verletzten sie körperlich. Grund für den Angriff
war ihr "nicht-deutsches" Aussehen. Für das Opfer waren die beiden
Angreifer nicht sofort als Rechtsradikale zu erkennen. Erst im Verlauf
der Auseinandersetzung bemerkte sie den Hakenkreuz-aufnäher an der
Jacke. Dank ihrer Erfahrungen in Selbstverteidigung und das mutige
Eingreifen eines Passanten konnte Schlimmeres verhindert werden. Die
Studentin musste ärztlich behandelt werden und erstattete Anzeige.
Dieser Vorfall war für die Studierende bisher der aggressivste in
Leipzig. Erst vor ein paar Tagen ist sie in Markkleeberg als "Hure"
beschimpft worden.
Rassistische Äußerungen in der Strassenbahn sind für sie alltäglich.
Solche und ähnliche Übergriffe finden eben nicht nur in Mügeln oder dem
Muldentalkreis statt. Erschreckend ist allerdings, wie wenig
Öffentlichkeit diese Vorfälle in Leipzig erfahren.
(weiter)
LVZ - Rosensthal sieht kein Gewaltproblem beim Leipziger Fußball
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Gegenüber der Leipziger Volkszeitung meldete sich inzwischen Augenzeuge und Opfer Matthias Gärtner zu Wort. Er berichtet von "Leuten aus dem Umfeld des 1. FC Lok", die am Samstag die Leutzscher Sachsenstube überfallen haben. Gärtner war als Mitglied der FCS-Fan-Initiative "Bunte Kurve" zur Weihnachtsfeier der "Diablos" eingeladen.
"Ich habe schon viel erlebt, aber so etwas noch nicht. Und ich will es auch nie wieder erleben", sagt der 35-Jährige, "es war Zufall, dass nicht noch Schlimmeres passiert ist. Die haben Menschenleben in Kauf genommen."
Gärtner wurde nicht verletzt, entging Baseball- und Totschlägern, Fäusten und Leuchtpistolen. Im schnellen Rückzug der Angreifer nach rund sieben Minuten sieht er eine stabsmäßig geplante Aktion. Er selbst habe keine Lok-Rufe gehört, niemanden erkannt. Die jugendlichen "Diablos" dagegen hätten einige der Angreifer identifiziert, wollten aber nicht aussagen, weil sie seiner Meinung nach entweder Angst hätten oder die Angelegenheit intern klären wollen.
Gegen die Leipziger Polizei erhebt Gärtner schwere Vorwürfe. Er habe nicht den Eindruck, dass die Beamten mit allem Nachdruck ermitteln würden. "Warum wurde der Tatort nicht abgesperrt und gesichert? Warum kam erst zwölf Stunden später ein erfahrener Kripobeamter?" fragt er in dem Bericht. Jetzt hat Gärtner einen Termin bei der Polizei, will seine Angst überwinden und Namen nennen. Damit wolle er ein Signal setzen, weil er wütend sei.
Die Beamten haben derzeit keine Spur von den Tätern. Die Ermittlungen
seien schwierig, weil die Angegriffenen noch immer keine Bereitschaft
zur Zusammenarbeit gezeigt hätten, sagte ein Polizeisprecher am Montag.
Gegen einen von ihnen hat die Polizei inzwischen selbst Ermittlungen
eingeleitet. Er soll nach dem Überfall einen Polizisten geschlagen
haben. Der Betreiber der Sachsenstube, Martin Schmeißer, spricht
gegenüber der Leipziger Volkszeitung bei diesem Vorfall von einer
Verwechslung. "Die dachten, sie werden wieder angegriffen."
Aus der Gruppe der Feiernden liege lediglich eine einzige Aussage vor,
sagte der Polizeisprecher. Alle übrigen Anwesenden, laut Polizei
größtenteils Jugendliche und junge Männer, hätten sich weder am
Samstagabend noch später zum Tathergang äußern wollen. Spekulationen
aus den Reihen der Sachsen-Fans, wonach Anhänger des rivalisierenden
Stadtclubs FC Lokomotive für den Angriff verantwortlich sein sollen,
wies die Polizei zurück. Der neue Vorstandsvorsitzende des FC Sachsen,
Winfried Lonzen, rief die Fans seines Vereins auf, ruhig und besonnen
zu reagieren. Bei einem Treffen mit Fan-Vertretern am Dienstag sollte
das weitere Vorgehen der Vereinsführung besprochen werden.
Etwa 40 bis 50 schwarzgekleidete und vermummte Personen hatten am Samstagabend gegen 22.30 Uhr Fans des Oberligisten FC Sachsen überfallen. Die Polizei hatte im Vorfeld einen Hinweis auf mögliche Auseinandersetzungen erhalten. Wie Polizeisprecher Andreas de Parade am Montag gegenüber LVZ-Online berichtete, seien die daraufhin in der Sachsenstube eingesetzten Beamten nur zehn Minuten vor dem Übergriff abgezogen. "Die Kollegen hatten sich mehrere Stunden vor Ort aufgehalten. Sie zogen schließlich ab, weil es keinerlei Anzeichen dafür gab, dass noch etwas passieren würde."
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Als die Beamten eintrafen, seien die Täter bereits verschwunden gewesen. Dafür habe es zunächst Auseinandersetzungen mit den Opfern gegeben. "Erst als Verstärkung angerückt war, hat sich die Lage beruhigt", heißt es. Den Polizisten zeigte sich zu diesem Zeitpunkt ein Bild der Verwüstung. Nicht nur im Lokal haben die Randalierer gewütet, auch davor. Scheiben von geparkten Autos sind zerschlagen, Reifen zerstochen worden. Die Höhe des Schadens ist noch unklar. "Spezialisten der Spurensicherung haben in der Sachsenstube Hülsen aus einer Schreckschusspistole gesichert", so Reiche. Aus einer Kasse sollen zudem mehrere hundert Euro gestohlen worden sein. Die Polizei ermittelt wegen schweren Landfriedensbruchs.
In Internetforen werden Anhänger des 1. FC Lok Leipzig beschuldigt. Sie sollen, unterstützt von befreundeten Gruppen aus Halle, verantwortlich sein. Von der Polizei werden diese Spekulationen nicht bestätigt. "Das ist krank und kriminell, das können keine normalen Fans von uns gewesen sein", sagte Steffen Kubald, Vereinschef des 1. FC Lok gegenüber LVZ-Online.
Auch die Betroffenen appellieren untereinander zur Besonnenheit. "Wir rufen die Fans unseres Vereines auf, die Ruhe zu bewahren und jetzt zusammenzuhalten. Das Vereinsgelände eines jeden Vereins in dieser Stadt war tabu, unantastbar! Wer seinen Streit austragen wollte, hat das immer wo anders geklärt", heißt es. Jetzt sei eine Grenze überschritten worden.
Matthias Roth, Nora Leisebein, LVZ-Online / Steffen Enigk / dpa





