In der Sitzung des Stadtrates vom 20.2.08 stellte die SPD-Fraktion eine Anfrage zu den Geschehnissen zur Nazi-Demo vom 12.1.08 in Reudnitz. Es folgt die Protokoll-Niederschrift der Antwort des Ordnungsbürgermeisters Heiko Rosenthal:
Das "Aryan Brotherhood" wurde bereits im Januar polizeilich geräumt, da laut Ordnungsamt der Stadt Leipzig ordnungswidrig ein Gewerbe unterhalten wurde. Im Stadtrat gab es hierzu eine entsprechende Anfrage.
Nach rund einem Jahr arbeitet hat die "Fachstelle für Extremismus und Gewaltprävention" des Jugendamtes der Stadt Leipzig den Situationsbericht für die Jahre 2006 und 2007 veröffentlicht.
Leipzig. Am frühen Samstagmorgen ist es in Connewitz zu
Auseinandersetzungen zwischen drei jungen Männern und etwa 50 weiteren
Personen gekommen, wobei ein 19-Jähriger verletzt wurde. Ein 21-Jähriger
war zunächst zu Fuß auf der Wolfgang-Heinze-Straße in Richtung
Markkleeberg unterwegs. Nach Polizeiangaben erhielt er gegen 1.40 Uhr
einen Anruf seines 22-jährigen Bruders, der sich mit ihm treffen wollte.
Die beiden planten, das Kulturzentrum Conne Island besuchen. Wenig später
traf der 22-Jährige mit einem 27-jährigen Begleiter ein und stellte seinen
Ford Mondeo auf einer Parkfläche an der Prinz-Eugen-Straße ab.
Noch während sich die drei Männer begrüßten, sprach ein Unbekannter den
27-Jährigen auf seine Jacke mit einem Logo der in der rechtsextremen Szene
beliebten Bekleidungsmarke Thor Steinar an und rief lauthals "Nazis".
Daraufhin versammelten sich laut Polizei bis zu 50 Personen, die die drei
Männer beschimpften. Diese rannten nun zurück zu ihrem Auto und wollte
wegfahren. Die Menschenmenge umstellte allerdings den Wagen und bewarf ihn
mit Flaschen und Steinen.
Am 08.12.2007 kam es während einer Weihnachtsfeier von Fans des FC
Sachsen Leipzig zu einer gewalttätigen Auseinandersetzung. Auslöser war
der Angriff einer ca. 40-50 Personen umfassenden Gruppe, die
überwiegend vermummt auftraten und äußerst aggressiv gegen Personen und
Sachen vorgingen. Nach einer ersten Attacke kehrte die Gruppe zur
„Sachsenstube" zurück und suchte erneut die Konfrontation. Bei diesen
Auseinandersetzungen erlitten mehrere Personen teils erhebliche
Verletzungen und es entstanden Sachschäden in Höhe von ca. 36.000 Euro
in der Gaststätte. Die Täter konnten vor Eintreffen der Polizei
unerkannt flüchten.
Eine Diskussionsveranstaltung von ADB, FKR, StuRa der Uni Leipzig
mit
Margarete Jäger vom Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung
(DISS) und Astrid Tautz, Antidiskriminierungsbüro Leipzig im Rahmen der
Internationalen Wochen gegen Rassismus
Die Demonstration "Gegen Rassismus - Gegen Nazis" wird stattfinden! Aufgrund des Verbotes der NPD-Demo wird der Focus auf der durch und durch rassistischen Berichterstattung, explizit der LVZ, liegen und somit vor dem LVZ-Gebäude (Peterssteinweg/Emilienstraße) enden.
Die Veranstaltungen auf dem Burgplatz und im Nikolaikirchhof von OBM Jung und Pfarrer Führer werden ebenfalls stattfinden und sind als Anlaufpunkte geeignet.
Unmittelbare Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung
Die
Stadt Leipzig hat die angemeldete Demonstration und den Aufzug der NPD
am heutigen Freitag (14. März) verboten. Die NPD hatte für den Samstag
(15. März) eine Versammlung unter dem Motto „Für ein gastfreundliches
Leipzig! Aber: kriminelle Ausländer raus“ angemeldet, verbunden mit
einem Aufzug durch die Leipziger Innenstadt.
Die Darstellung des
eskalierenden Konflikts um die Kontrolle von Clubs und Diskotheken
wird in der öffentlich wahrgenommenen Darstellung der
Lokalpresse, insbesondere der LVZ, so weit heruntergebrochen, dass es
zum Erbrechen nötigt. Sogenannte "kriminelle
Ausländerbanden" (sic) bringen sich nach Meinung einiger
Provinzredakteur_innen in Stellung, um deutsche Etablisments mit
Drogen, Waffen und Prostitution zu überschwemmen und die sie
schützenden deutschen Securities zu verdrängen. So einfach
kann mensch sich das heute also machen! Da die "kriminelle
Ausländerbande" immer noch zu abstrakt scheint für den
durschnittlichen Zeitungsleser, werden einzelne Personen mit klar
identifizierbaren Merkmalen wie "Armenier, Libanese, Iraker,
Tschetschene" ausgestattet. Wer jetzt immer noch nicht den
Durchblick hat, der darf sich die Bedrohung noch allgemeiner als vom
"Araber" ausgehend bildhaft machen. Diese These
kolportierte ganz besonders die Leipziger Volkszeitung (wie der Name
schon sagt) in die städtische Bevölkerung.
Dankbar folgen NPD und
"Freies Netz" den vorgelegten Hetztiraden und rufen zum
Auflauf unter dem Motto "Für ein gastfreundliches Leipzig -
kriminelle Ausländerbanden raus". Und auch die
"Freies-Netz"-Macher Scheffler und Gerlach sehen darin eine
nur folgerichtige Unterstützung ihres Wirkens, Zitat: "Die
Provinzen sind befriedet weitesgehend! - Nun gehts an die
Großstädte!".
Wie nicht anders zu erwarten, wollen die Rechtsradikalen der Region den
Leipziger Türsteher-Streit politisch für sich ausschlachten. Sie rufen
für Samstag, den 15.3. zu einem Aufmarsch in der Leipziger Innenstadt
auf. Treffpunkt soll 11 Uhr am Augustusplatz vor der Oper sein, Thema
der Neonazis: Hetze gegen Migrant/-innen.
Dabei mobilisieren NPD und „Freie Kräfte“ in Leipzig erstmals gemeinsam
zur selben Veranstaltung. Das heißt, es wird sowohl innerhalb der
sächsischen NPD für den Aufmarsch geworben als auch auf den Seiten des
„Freien Netzes“. Wie erst neulich auch vom sächsischen
Verfassungsschutz bestätigt, reicht die Mobilisierungskraft dieser
Neonazi-Vernetzung von Delitzsch über Leipzig, Borna und Altenburg bis
nach Chemnitz und Hof. Am Aufmarsch der „Freien Kräfte Leipzig“ am
12.1. in Leipzig nahmen mehr als 300 Neonazis teil, u.a. auch aus
Berlin, Sachsen-Anhalt und Bayern. (weiter)
==Pressemitteilung==
Leipzig, den 11. März 2008
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Conne Island fordert Absage der Veranstaltungen des Antaios Verlages
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Seit mehreren Jahren bieten die Leipziger Buchmesse und ihre
OrganistorInnen Rechtskonservativen Verlagen und AutorInnen eine
Plattform für deren Inhalte.
Mit den Veranstaltungen "Deutsche Opfer", "Gewalt gegen Deutsche und
das mediale Schweigen" und "Linke Gewalt. Der kurze Weg zur RAF" mit
Verlagschef Götz Kubitschek und Autor Bernd Rabehl wird auf der
diesjährigen Messe für Literatur jedoch eine neue Qualität von
rechtspopulistischen, breitenwirksamen Aktivitäten erreicht.
Deshalb fordert das Conne Island, auch als Veranstaltungsort der
Leipziger Buchmesse, die Absage dieser Veranstaltungen.
Nach einem Interview mit dem NPD-Presseorgan ?Deutsche Stimme?, in dem
Bernd Rabhel u.a. die Motive für die israelische Staatsgründung mit
der Gedankenwelt des ehemaligen NPD-Vorsitzenden Adolf von Thadden
verglich, wurde er aus dem Lehrkörper des Otto Suhr-Instituts der FU
Berlin ausgeschlossen.