Nazis marschieren weitgehend unbehelligt - Polizei greift Wohnhaus an!
Das bereits im November von Nazis angegriffene Wohnhaus in der Holsteinstraße war Ort der Zwischenkundgebung. Isztvan Repaczki, Anmelder des Aufmarschs, konnte hier sein nazistisches, antisemitisches und antipluralistisches Weltbild zur Schau stellen und einmal mehr die bereits bedrohten Anwohner verhöhnen.
Polizei und Ordnungsamt
Die kurzfristig angemeldete Nazidemo wurde zunächst versucht, seitens Ordnungsamt und Polizei geheim zu halten, um offensichtlich möglichen Protest einzudämmen.
Nachdem bekannt wurde, dass die Zwischenkundgebung in der Holsteinstraße stattfinden sollte, kam es zu mehreren Beschwerden an Polizei und Ordnungsamt durch Bewohner des Hauses
Die Heiko Rosenthal (Ordnungsbürgermeister, LINKSPARTEI) unterstellte Versammlungsbehörde sicherte daraufhin zu, dass die Kundgebung verlegt würde. Dies geschah nicht. Stattdessen wurde das Haus selbst zweimal durch Polizeieinheiten gestürmt. Beide Male wurde die Haustür gewaltsam geöffnet. Beim ersten Eindringen wurden Personalien anwesender Personen durch eine BFE festgestellt . Zur Verwunderung der Poizei waren es wohl nur Bewohner des Hauses. Grund der Maßnahme war die Vermutung, Gegenstände könnten vom Dach geworfen werden.
Beim zweiten Betreten durch eine Leipziger Einheit der Bereitschaftspolizei wurde die Stromversorgung des gesamten Hauses unterbrochen, Bewohner wurden unter Gewaltandrohung von den Sicherungsanlagen ferngehalten. Hierbei kam es zu diversen Verbalentgleisungen der Beamten. Besonders hervorgetan hat sich ein vollvermummter Testosterongeschwängerter (siehe Zitate-Kiste unten). Bei dieser Maßnahme wurde die Sicherungsanlage und dadurch Computer im Haus beschädigt. Grund war das Abspielen lauter Musik aus einer leerstehenden Wohnung des Hauses, was wohl die Nazis bei der Kundgebung gestört haben dürfte. (LVZ-Bericht hier)
Eine Absicherung des Hauses in den Abendstunden wurde abgelehnt, dafür gab es nach Polizeiangaben keinen Bedarf.
Das scheint unverständlich, nachdem ein Haus, welches von Studierenden, Lehrlingen und Senioren bewohnt wird, erst durch Nazis angegriffen und dann auch noch verhöhnt wird. Entgegen der augenscheinlichen Annahme Leipziger Behörden wurden hier keine linken Wohnprojekte angegriffen, sondern Wohngemeinschaften und bürgerliche Wohnungen.
Antifa
Die Antifa-Demo war für eine dreitägige Mobilisierung gut besucht, rund 500 Teilnehmer waren am Start. Gegen 13:30 wurde die Demonstration aufgelöst. Überall entlang der Nazi-Route waren mehr oder minder große Gruppen unterwegs. Die Polizei vereitelte jedoch weitere Aktionen. Eine Sitzblockade auf der Unteren Eichstättstraße wurde nach einer halben Stunde aufgelöst. Bis zum Ende der Nazi-Demo gab es keine größeren Störungen. Einigen Nazi-Kleingruppen konnte trotzdem "nonverbale Abneigung" entgegen gebracht werden. Es gab zwei in Gewahrsamnahmen, keine Festnahmen.
Hier bleibt zu erwähnen, dass es auch ohne konkreten Anlass Pläne für mögliche Vorgehensweisen geben muss in Zukunft. Klar war die Zeit zu kurz. Bis zum nächsten Aufmarsch bleibt mehr Zeit. Und der wird wohl leider über kurz oder kommen.
Nazis
Bis zu 350 Nazis waren auf dem Aufmarsch zu verzeichnen, der größte Teil war von außerhalb angekarrt worden, offensichtlich fehlt es zwar nicht an Aktionismus, dafür aber am tumben Fußvolk. Die größte Störung fand durch Musik während der Zwischenkundgebung statt.
Inhaltlich völlig stumpf und fern jeder Realität sprach Isztvan Repaczki sich gegen Demokratie und Antifaschismus aus und konstruierte haltlose Zusammenhänge zwischen vom jüdischen Volk verursachte Zinsknechtschaft und dem Fehlen von Arbeitsplätzen für Deutsche sowie der Finanzmittel, die die Massen an kriminellen Ausländern in Deutschland aufsaugen würden, welche zur Sanierung von Kindergärten fehlen würden. Hier hat er es wohl geschafft, FDP-Parolen vom aktuellen Bürgerentscheid zu verwenden. Intelligenter junger Mann, wie das folgende Bild nahe legt.
Er wohnt übrigens in der Ostraße 96 in 04317 Leipzig und freut sich immer wieder über Probe-Abonnements verschiedenster Tageszeitungen.
Am Ende bleibt, dass die Nasen gelaufen sind. In ihren Foren jubeln sie fast schon über ihren Erfolg und feiern ihren großartigen und erfolgreichen Aktionismus.
Ihre neuen Arbeitsweise und Ihr anhaltender Aktionismus ist allerdings auch nur stupides Befolgen von Konzepten. Grundlagen scheint die Broschüre "Freie Nationalisten - ein Leitfaden" zu sein. (findet sich unter http://www.ab-rhein-neckar.de/freie.pdf )
Presse:
LVZ 13.01.08 - "Neonazis marschieren durch den Leipziger Stadtteil Reudnitz"
indymedia 11.01.08 - last updates
indymedia 13.01.08 - erste einschätzung
Neues Deutschland - Kritik nach Nazi-Demo in Leipzig
Zitate-Kiste
(der oben erwähnten BePo-Einheit aus Leipzig gegenüber den Bewohnern der Holsteinstraße:)
1. "Zahlt ihr hier überhaupt Miete?"
2. Frage nach dem Einsatzleiter wird beantwortet: "Ich hör nix, ich hör nix..."
3. Frage nach dem Grund der Maßnahme wird beantwortet: "Du kriegst gleich auf die Fresse!", nach dem Anlaß gefragt: "Weil du Scheiße bist!" (der als jung, solariumgebräunt beschriebene Beamte hatte offenbar nach dem Frühstück zu tief in den Hormon-Eimer geblickt)
4. Kommentar zu den Fahrrädern im Hausflur: "Guckt euch die Schrotträder an, los, da nimmt jeder eins mit und wir stapeln ne Pyramide auf."
5. nach der zweimaligen Bitte an einen Beamten, von einem Fahrrad wieder abzusteigen: "Oh, es hat bitte gesagt."
6. Beamter im Hof zu Bewohnern: "Na, euer Haus fällt wohl auseinander? Macht doch gleich ein Feuer, reißt es ab und zieht weg."





