Machtkampf in der Leipziger Diskoszene: Keine Hinweise auf den Todesschützen
Der junge Russlanddeutsche Andreas K. wurde vor der Diskothek "Mia's" erschossen. "Der junge Mann war mit einem Freund zum Rauchen vor die Tür gegangen und wurde so zufällig Opfer", beschreibt Polizeipräsident Rolf Müller den dramatischen Vorfall.
Dem tragischen Tod des Russlanddeutschen war ein heftiger Streit mehrerer Besucher der Diskothek "Schauhaus" vorausgegangen. Ein 37-jähriger Security-Mitarbeiter trug dabei schwere Stichverletzungen davon. Er wurde am Samstagmorgenin notoperiert und ins künstliche Koma versetzt. Er konnte deshalb am Wochenende noch nicht zu den Geschehnissen befragt werden. Inzwischen ist er wieder bei Bewusstsein. "Sein Zustand ist stabil," sagte sein Anwalt Stephan Bonell gegenüber der Leipziger Volkszeitung. Marko Z. habe einen Südeuropäer gesehen, bevor dieser ihn mit einem Messer angegriffen und niedergestochen habe, so der Anwalt weiter. In der Szene sei der Angreifer als Arthur bekannt. Das 37-jährige Opfer ist der Chef der L.E. Security. Wie viele Menschen außerdem verletzt wurden, ist noch unklar.
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Seit Herbst vergangenen Jahres schwelt ein Streit zwischen zwei Leipziger Security-Firmen auf der einen Seite und einer Gruppe von Ausländern auf der anderen. Immer wieder war es zu teils brutalen Auseinandersetzungen gekommen. "Es geht dabei um Vormachtrechte," vermutet der Polizeipräsident. Auch Drogengeschäfte können nicht ausgeschlossen werden. Einige Namen sind der Polizei inzwischen bekannt. Es gebe auch Ermittlungsansätze. Vor Weihnachten hätte sich die Situation beruhigt. Dass es in der Nacht zu Samstag derart eskalieren könnte, hätte niemand vorhersehen können.
Der erste Notruf der Polizei sei um 2.42 Uhr eingegangen, skizziert Müller den Tatverlauf. Eine Gruppe Personen ausländischer Herkunft hätten die Diskothek "Schauhaus" gestürmt. Es kam zu einer Schlägerei, bei der der 37-jährige Security-Mann verletzt wurde. Den Sicherheitskräften sei es dann gelungen, die Angreifer bis vor die Tür zu drängen.
Polizeihunden die Schnauze zugedrückt
Die Polizei war kurz darauf mit 60 Einsatzkräften vor Ort. 150 Personen hätten zu diesem Zeitpunkt vor der Disko gestanden, so Müller weiter. Neben Schaulustigen und dem Securitypersonal, das inzwischen verstärkt worden war, gehörten der Menge etwa 50 Ausländer an. Diese, aber auch die Sicherheitsleute, hätten die Polizisten massiv und brutal angegriffen. Aufgrund ihrer körperlichen Konstitution, trainiert im Fitness-Studio und beim Freefight im Kampfsport-Gym, gingen die Täter mit einer bis dahin unbekannten Aggressivität vor. "Sie ließen sich von unseren Diensthunden in den Arm beißen, um den Tieren dann mit der anderen Hand die Schnauze zuzudrücken," berichtet Müller. Damit waren die Hunde außer Gefecht gesetzt. Beide Gruppierungen waren mit Baseballschlägern, Pfefferspray und Pflastersteinen ausgerüstet. Damit wurden die Scheiben der Diskothek und einer benachbarten Spielbar zerstört.
Die Polizei versuchte, die Situation zu beruhigen. Infolgedessen machten sich mehrere Gruppen auf den Weg in die Innenstadt. Dabei gingen auch in den Diskotheken "Pflaumenbaum" und "Mia's" in der Kleinen Fleischergasse Scheiben zu Bruch. Hier traf den 28-jährigen Andreas K. die tödliche Kugel. Ein Mann mit dunklerer Hautfarbe soll drei Schüsse abgegeben haben, so die bisherigen Ermittlungen. Einer davon traf den Russlanddeutschen in den Kopf. Die anderen beiden Projektile wurden in der Wand neben dem Eingang gefunden. Die Ermittlungen zu Täter und Tatwaffe laufen.
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Noch steht nicht fest, welcher Gruppierung welche Schäden zuzuordnen sind. In den nächsten Tagen sollen Aufnahmen aus Überwachungskameras in die Ermittlungen einbezogen werden. Festnahmen habe es nicht gegeben, so der Sprecher der Staatsanwaltschaft Ricardo Schulz. Allerdings seien die Personalien verschiedener Täter aufgenommen worden sowie verschiedene Kennzeichen notiert, die zu den Tätern führen werden.
Spezialkräfte nach Leipzig verlegt
Die Polizei verstärkte in der Nacht zum Sonntag ihre Präsenz in der
Innenstadt. Außerdem sind Spezialkräfte aus Thüringen und
Sachsen-Anhalt im Einsatz. Landespolizeipräsident Bernd Merbitz hatte
sie bereits wenige Stunden nach der Tat zur Verstärkung der sächsischen
Spezialkräfte angefordert, „um eventuelle Racheakte nicht zuzulassen
und die öffentliche Ordnung und Sicherheit in Leipzig auch nach diesem
dramatischen Ereignis sicherzustellen“. Die Spezialkräfte würden „auch
die nächste Zeit bleiben, mehrere Kräfte nach Leipzig verlagert“. Sie
blieben in Absprache mit Innenminister Albrecht Buttolo (CDU) „so
lange, wir sie hier brauchen“.
Zur Aufklärung der Geschehnisse der Nacht und deren Umfeld hat die
Polizei eine 30-köpfige Ermittlungsgruppe gebildet. Um die genauen
Tatabläufe umfassend rekonstruieren zu können, bittet die Polizei um
Mithilfe der Bevölkerung. So werden Taxifahrer gesucht, die nach
Mitternacht Beobachtungen im Bereich des „Schauhaus“ gemacht oder
Personen aus der Innenstadt in Leipziger Krankenhäuser gefahren haben.
Des Weiteren wird der Mann gesucht, der den Einlassdienst in der
Discothek „Mia’s“ veranlasste, vor Abgabe der Schüsse die Tür zu
schließen. Zeugen, die Hinweise zum Sachverhalt geben können, melden
sich bei der Kriminalpolizei Leipzig, Dimitroffstraße 1 in 04107
Leipzig oder unter der Telefonnummer (0341) 9664 6666.
Anne Sturm, LVZ-Online
Weitere Berichte über die Ausschreitungen lesen Sie in der Leipziger Volkszeitung vom 10. März oder im E-Paper.





