Nach Döneranschlägen

von Alexander Schneider

Die Polizei fasst zwei junge Männer aus Dresden und Freital. Beide stammen aus der Türsteher-Szene.

Spektakuläre Festnahme in der Friedrichstadt: Bereits am Mittwochnachmittag stoppten plötzlich mehrere Polizeiautos auf der Hamburger Straße. Sie kamen aus allen Richtungen. Mehr als ein Dutzend Beamte sprangen heraus und überwältigten mit gezogenen Pistolen einen 21-jährigen Dresdner. Der Mann heißt Willy K. und war den Beamten bestens bekannt. Erst am Morgen hatten sie seine Wohnung durchsucht – und ihn seitdem wahrscheinlich nicht mehr aus den Augen gelassen.

Willy K. ist ein mehrfach vorbestrafter Gewalttäter mit guten Verbindungen in die rechtsextreme Szene. Er war sowohl bei Übergriffen von Fußball-Chaoten als auch von Nazis auf Polizisten dabei. Nun steht er im Verdacht, vor drei Wochen bei den ausländerfeindlichen Überfällen auf türkische Dönerläden in der Dresdner Neustadt beteiligt gewesen zu sein, kurz nach dem Halbfinale Deutschland – Türkei während der Fußball-Europameisterschaft.

Wegen offensichtlicher Wiederholungsgefahr erließ der Haftrichter am Donnerstag einen Haftbefehl gegen Willy K. Seitdem sitzt er in Untersuchungshaft. Nach Angaben seines Verteidigers Frank Hannig hat sich der Verdächtige bisher nicht zu den Vorwürfen geäußert.

Ebenfalls festgenommen wurde Ronny B. aus Freital. Auch er wird verdächtigt, an den Übergriffen auf die türkischen Geschäfte beteiligt gewesen zu sein. Und auch er stammt wie Willy K. aus der Dresdner Türsteher-Szene. Allerdings ist Ronny B. nicht einschlägig polizeibekannt. Der gegen ihn beantragte Haftbefehl kam nicht zustande. Ronny B. bestreitet die Tat.

Ein gezielter Angriff

Inzwischen ist sich die Polizei sicher: Der Überfall auf die türkischen Geschäfte war eine gezielte Aktion. Die Polizei hat den Tathergang in etwa rekonstruiert. Danach sollen sich die Täter in einer Kneipe am Straßburger Platz, nahe des Dynamo-Stadions, getroffen haben, um von dort in die Neustadt zu ziehen. 20 bis 30 Vermummte mit Stangen hätten dann wenige Minuten nach dem Spiel drei Geschäfte auf dem Albertplatz und in der Alaunstraße überfallen, Scheiben eingeschlagen, Böller auf Menschen geworfen und wüst randaliert. Kurze Zeit später waren sie verschwunden.

Am nächsten Tag gründete die Polizei eine zehnköpfige Ermittlungsgruppe. Doch es gab nur wenige Hinweise. Obwohl die Neustadt in jener Nacht gut besucht war, meldeten sich in der ersten Woche kaum ein Dutzend Zeugen.

Ein vertraulicher Hinweis

Trotzdem gerieten die Verdächtigen nun durch einen Zeugen ins Visier des Staatsschutzes. Oberstaatsanwalt Christian Avenarius: „Wir haben einen vertraulichen Hinweis aus der Hooligan-Szene erhalten. Fest steht, das war keine spontane Zusammenrottung. Ziel der Täter war es, durch eine ausländerfeindliche Tat Unruhe zu stiften. Sie wollten die Dresdner und die Ausländer einschüchtern. Wer so etwas macht, muss rechtsradikal sein.“ Die bisher ermittelten Details legen zudem nahe: Es gibt eine Verbindung zwischen Rechtsextremisten, gewaltbereiten Fußball-Hooligans und privaten Sicherheitskräften. So sollen beide Verdächtige bei einer Dresdner Sicherheitsfirma gearbeitet haben, die auch im Dynamo-Stadion für Ordnung sorgt. Ronny B. wurde nach Informationen der SZ entlassen, als ein erster Verdacht gegen ihn laut wurde. Interessanterweise hatte Willy K. sogar Stadionverbot.

Die Ermittlungen in dieser Szene sind allerdings aufwendig. „Es ist ein schwieriges Verfahren“, so Avenarius. Auch wohl deshalb hat die Polizei am Freitag den Fahndungsdruck auf die Täter erhöht. Sie gründete die Sonderkommission „Halbfinale“. 16 Beamte ermitteln nun im Umfeld der Anschläge.

Die Überfälle auf die türkischen Restaurants hatten deutschlandweit für Aufsehen gesorgt. Viele Dresdner hatten an den darauffolgenden Tagen ihre Solidarität mit den Imbissbesitzern gezeigt.