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26 August 2008

LVZ-Online vom 26.08.08

Reudnitzer planen Montagsdemos und wollen Eltergruppe gründen

Leipzig. Vier Tage nach dem Fund der Leiche der getöteten Michelle haben gut 500 Demonstranten - darunter laut Polizei mehr als 300 Rechtsextreme - in Leipzig härtere Strafen für Kinderschänder gefordert. Der Protestzug startete am Montagabend vor der Grundschule des getöteten Mädchens und endete am Stötteritzer Wäldchen, wo die Leiche der Achtjährigen gefunden worden war.

Aus dem Zug wurden Rufe laut wie: „Keine Gnade für Kinderschänder“ und „Kinderschänder - Todesstrafe“. Etwa hundert Teilnehmer trugen uniformähnliche Kleidung, wie sie in der rechtsextremen Szene üblich ist. Wie Polizeisprecher Uwe Voigt mitteilte, verlief die Kundgebung jedoch friedlich und ruhig. Auf Seiten der rechtsextremen Szene im Internet war seit Michelles Verschwinden die Todesstrafe für Kinderschänder gefordert worden.

Auch im Fall des ermordeten Mitja hatten Rechtsextreme die Situation auszunutzen versucht: Sie verteilten Flyer, in denen sie ihren Parolen freien Lauf ließen. So wurde gegen Ausländer und so genannte „Volksentfremdete“ gehetzt. Mitglieder der Szene demonstrierten damals mehrmals.

Dass die rechtsextreme Szene ausgerechnet im Fall Michelle wieder massiv aktiv wurde, ist kein Zufall: Der Onkel des ermordeten Mädchens, Istvan R., zählt zu den führenden Köpfen des Neonazi-Netzwerks Freie Kräfte Leipzig. Allein in diesem Jahr trat er bei zahlreichen Rechtsextremen-Kundgebungen, etwa in Reudnitz, Grünau und Großzschocher als Anmelder auf.

Bereits bei den Worch-Demos in früheren Jahren sichteten ihn Staatsschützer in den ersten Reihen des Marschblocks. Vor einem Monat stand er im Zusammenhang mit einem Überfall auf das alternative Jugendzentrum Bunte Platte in Grünau vor Gericht. Wegen des Vorwurfs der Beleidigung wurde er damals zwar aus Mangel an Beweisen freigesprochen. Allerdings muss er sich voraussichtlich im November wegen der bei diesem Überfall begangenen Körperverletzung verantworten.

Angemeldet hatte die Demonstration vom Montag Simone Thalheim, die in dem Viertel von Michelles Familie wohnt. Eine Initiative aus Eltern und Anwohnern habe sich spontan zusammen geschlossen, so Thalheim. Es gehe ihr aber nicht nur um den Fall der getöteten Michelle, sondern um die generelle Sicherheit der Kinder und den Umgang mit Sexualstraftätern.

Sie bestätigte außerdem, dass "rund 100 Leute aus der rechtsextremen Szene" an dem Protestzug teilnahmen und dabei auch mit Megafonen Anweisungen für Schweigeminuten während der Kundgebung gaben. "Die Forderung der Todesstrafe lehnen wir aber ab", sagte Thalheim. Sie habe deshalb am Montagabend auch dafür gesorgt, dass diese Rufe schnell wieder verstummten.

Die Demonstrationen sollen von nun an wöchentlich am Montagabend stattfinden. Geplant ist eine Strecke über die Zweinaundorfer Straße, die Breite Straße und die Dresdner Straße bis zum Augustusplatz, wo die Demonstration jeweils mit einer Kundgebung beendet werde, so Thalheim.

Am kommenden Sonnabend solle in Leipzig zudem eine Kinderschutzgruppe gegründet werden. Vorbild ist die Berliner Organisation "Carolin". Der Verein hatte sich 2005 gegründet. Damals war die 16-jährige Carolin aus dem Ostseebad Graal-Müritz in einem Wald vergewaltigt und erschlagen aufgefunden worden. Die Elterninitiative aus Bundeshauptstadt betreibt Präventiomn und Aufklärung und hilft Thalheim zufolge beim Aufbau der Leipziger Vereinigung.

Zusätzlich zum Spendenkonto der Stadt Leipzig (Konto 1 000 000 040, Sparkasse Leipzig, Bankleitzahl 860 555 92, Verwendungszweck: Michelle), richtete auch die Elterninitiative ein Konto zugunsten der Familie von Michelle ein (Konto 10 88 100, Bank für Sozialwirtschaft, Bankleitzahl 100 20 500, Verwendungszweck: Spende für Michelle).

mro, sb, kol, F. D.