LVZ 19.07.08

Polizei bestätigt zwei Festnahmen nach Dresdner EM-Ausschreitungen

Dresden. Die Dresdner Polizei hat mehr als drei Wochen nach den
Übergriffen zum Fußball-EM-Halbfinale zwei mutmaßliche Randalierer
festgenommen. Einer von ihnen ist wieder auf freiem Fuß, ein
21-jähriger Mann aus Dresden in Untersuchungshaft, teilten Polizei und
Staatsanwaltschaft am Freitag gemeinsam mit. Ein zweiter Haftbefehl
gegen einen 29-Jährigen aus Freital sei dagegen aufgehoben worden.
Hinweise von Zeugen und weitere Indizien hätten den Verdacht auf die
beiden Männer gelenkt. Die „Bild“-Zeitung hatte von den beiden
Festnahmen berichtet. Den Männern wird besonders schwerer
Landfriedensbruch und gefährliche Körperverletzung vorgeworfen.

Der 29-Jährige sei polizeilich ein relativ unbeschriebenes Blatt, was
dazu beitrug, den Haftbefehl gegen ihn aufzuheben, sagte ein
Polizeisprecher. Der Jüngere sei dagegen bereits durch Gewalttaten
aufgefallen, „auch im Zusammenhang mit Fußball“.

Nach dem 3:2-Erfolg der deutschen Mannschaft gegen die Türkei am 25.
Juni hatten in Dresden 20 bis 30 Angreifer drei Döner-Läden attackiert.
Dabei wurden zwei Türken verletzt, Scheiben gingen zu Bruch und die
Einrichtung wurde beschädigt. Nach dem Spiel gab es auch in Chemnitz
Ausschreitungen, in Leipzig kam es zu Schlägereien.

Die Dresdner Ermittler durchsuchten bereits am Mittwoch die Wohnungen
der beiden Verdächtigen und beschlagnahmten mehrere Handys und
Computer. Um die Auswertung des Materials zu beschleunigen, wurde die
Sonderkommission „Halbfinale“ auf 16 Beamte aufgestockt. Die Polizei
geht den Angaben zufolge nach wie vor von 20 bis 30 Tätern aus. Der
Sender „Radio Dresden“ berichtete am Freitag, dass die Polizei
mittlerweile gegen 70 Verdächtige ermittle und bezog sich auf den
Anwalt eines mutmaßlichen Täters. Die Polizei verneinte diese
Größenordnung. „70 stimmen nicht“, sagte der Sprecher.

dpa

© LVZ-Online vom: Samstag, 19. Juli 2008

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