UPDATE: Taucha – Hooligans greifen Menschen mit Migrationshintergund an

Ausländer bei Stadtfest in Taucha angegriffen – zehn Verdächtige festgenommen

Taucha. Bei einem Stadtfest in Taucha (Nordsachsen) sind am Sonntag
Ausländer beschimpft, angegriffen und teils geschlagen worden. Die
Bereitschaftspolizei nahm zehn Verdächtige im Alter von 17 bis 22
Jahren vorläufig fest. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen schweren
Landfriedensbruchs, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und
Körperverletzung.


Ein 23-jähriger Libanese wurde von etwa 15 Männern aus der
Hooligan-Szene am Boden liegend geschlagen und getreten, teilte die
Polizei weiter mit. Auch eine Bierflasche wurde ihm in den Rücken
geworfen. Eine Streifenwagenbesatzung befreite den Mann. Dabei wurde
ein Beamter leicht verletzt und der Wagen beschädigt. Die Täter waren
auf drei Ausländer losgegangen und hatten diese mit
ausländerfeindlichen Parolen beschimpft. Zweien der Ausländer gelang
die Flucht.


dpa

 

>> PD Westsachsen 23.08.09 – Schwerer Landfriedensbruch, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, Gefährliche Körperverletzung <<

 >>> UPDATE <<<

 Die Tatverdächtigen äußerten sich zunächst nicht zu den Vorwürfen und wurden kurze Zeit später wieder aus der Haft entlassen.
Derweil steht die Polizei vor Rätseln: Völlig unklar scheint das Tatmotiv, schließlich griff die Hooligangruppe, ausländerfeindliche Parolen rufend, den Libanesen und seine BegleiterInnen "aus bisher unbekannten Gründen" (http://www.polizei.sachsen.de/pd_ws/4766.htm) an. Fachliche Kernkompetenz bewies dann aber doch noch die zuständige Staatsanwaltschaft: Die Täter seien im Umfeld der "BSG Chemie" – einem der wenigen aktiven und bekennenden antirassistischen Fußballvereine Leipzigs – zu verorten. (http://www.taz.de/1/politik/deutschland/artikel/1/hetzjagd-nach-stadtfest-1/)
Der Amateurfußbalverein "BSG Chemie" sah sich in Vergangenheit des öfteren Drohungen und Angriffen (dokumentiert bei ag.doc) von Nazis ausgesetzt – eben wegen seines, in der hiesigen Fußballlandschaft relativ seltenen, expliziten antirassistischen Konsens. Verein und Fans nannten die Vorwürfe in einer Gegendarstellung (http://www.chemie-leipzig.de/) "…geradzu absurd" und vermuten entweder eine "peinliche Verwechslung" bei der Staatsanwaltschaft oder aber Falschaussagen bezüglich der Vereinszugehörigkeit der festgenommenen Angreifer.

Für Wirbel sorgen neue Aussagen der Tatverdächtigen, wonach es nach ihrem Angriff auf die drei jungen Menschen angeblich eine weitere Auseinandersetzung mit einer "Gruppe von Ausländern" an der Endhaltestelle Taucha gegeben hätte, die wohl zahlenmäßig unter etwas anderen Vorzeichen stand. Einige der verdächtigen Hooligans waren beim anschliessenden Revieraufenthalt verletzt . (http://www.polizei.sachsen.de/pd_ws/4769.htm). Bei soviel Verwirrung über Herkunft und Motive von Opfern und TäterInnen verwunderts dann natürlich auch nicht das man bei der LVZ wieder in alte, bewährte Berichterstattungsmuster verfällt. Im aktuellen Zeugenaufruf der Printausgabe ist somit auch nicht etwa von rassistisch-motivierten Hooligans, sondern nur noch von einem Angriff und einer Schlägerei zwischen den "deutschen" und "ausländischen Gruppen" die Rede. (LVZ-Printausgabe vom 27.8)

Nach einer kurzen Welle medialer Aufmerksamkeit und Empörung übt man sich derweil wieder in der lokalpolitischen Lieblingsdiziplin der Relativierung und Imagepolitur: So bedauert Bürgermeister Schirmbeck zwar den Vorfall, " aber das damit die Stadt Taucha in Verbindung gebracht werde, ist auch eine üble Sache" (LVZ-Print 25.8). In Taucha gäbe es bis auf wenige Ausnahmen kein Problem mit Nazis.
Auch an höhere Stelle wird sich gesorgt. Der Sächsischen Innminister Buttolo (CDU), verurteilte die Gewalt als "völlig inakzeptabel"
und fordert einen Strafverschärfung bei derartigen Delikten. Hierbei bezog er sich jedoch nicht auf den rassistischen Übergriff an sich, sondern explizit auf den Angriff gegen den zu Hilfe eilenden Polizisten. Wie sooft nach rassistischen Übergriffen gibt`s im Prinzip mal wieder auf allen Seiten nur Opfer. Rassistischer Übergriff? "Die Hintergründe sind noch ziemlich unklar" sagt Ricardo Schulz, der zuständige Staatsanwalt.

Nun Ja. Zumindest eines ist sofort sicher: aus Daucha warnse nüsch! – Case’s closed.

 

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1 Response to UPDATE: Taucha – Hooligans greifen Menschen mit Migrationshintergund an

  1. david says:

    ich finde das richtig scheise was da trinne steht und ich war an diesen tag dabei es waren nicht die ausländer die da verschlagen wurden sondern die deutschen es warn nicht nur 3 ausländer sondern minumum 25 stück aber die scheis zeitung und die polizei wissen ja immer alles besser

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